Heft 1 - Heft 2 - Heft 3 - Heft 4
Jahresinhaltsverzeichnis [609 KB; PDF-Dokument]
Abhandlungen
Gunter Lay:
Gruppenarbeit in Deutschland - Instrument zur Requalifizierung der Industriearbeit oder leere Worthülse?
Nachdem die Diskussionen um das Konzept der Gruppenarbeit in den zurückliegenden 30 Jahren in Deutschland mehrfach zwischen großen Hoffnungen und anschließender Desillusionierung oszillierten, scheint es mittlerweile an der Zeit, auf der Basis einer breiten quantitativen Empirie eine Zwischenbilanz zu den qualifikatorischen Effekten dieser Form der Arbeitsorganisation zu ziehen. Da die Zukunft der Industriearbeit in ihren Qualifikationsanforderungen Gegenstand vielfältiger Überlegungen ist, versucht der vorliegende Beitrag darzustellen, in welcher Beziehung unterschiedliche Formen der Gruppenarbeit mit industrieller Facharbeit stehen. Dabei wird deutlich, dass viele euphorische Erwartungen hinsichtlich einer Renaissance der Facharbeit in Folge der Verbreitung von Gruppenarbeit in der Empirie keine Entsprechung finden.
Thorsten Kalina:
Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland – Sprungbrett oder Sackgasse?
Seit Mitte der neunziger Jahre ist die Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland stark gestiegen. Im europäischen Vergleich hat Deutschland mittlerweile einen der höchsten Werte unter den kontinentaleuropäischen
Ländern. Gleichzeitig ist die Aufstiegsmobilität aus dem Niedriglohnbereich in besser bezahlte Tätigkeiten zurückgegangen. Besonders für gering Qualifizierte, Frauen und Ältere sind die Chancen, ihr Einkommen zu verbessern, erheblich schlechter als für hoch qualifizierte
Beschäftigte. Das Ausmaß der Niedriglohnbeschäftigung und die Aufstiegschancen aus dem Niedriglohnbereich sind politisch hoch relevant, da gerade das Argument, dass Niedriglohnjobs gute Möglichkeiten bieten würden, in besser bezahlte Tätigkeiten aufzusteigen, häufig genutzt wird, um eine Ausweitung von Niedriglöhnen zu rechtfertigen. Die im folgenden Artikel vorgestellte Untersuchung basiert auf Datensätzen der Bundesagentur für Arbeit und dem Sozio-ökonomischen Panel. Neben der Entwicklung der Niedriglohnbeschäftigung und der Aufstiegsmobilität in den letzten 20 Jahren werden die Aufstiegsperspektiven aus dem Niedriglohnbereich nach Beschäftigtenmerkmalen differenziert untersucht.
Arno Georg, Gerd Peter:
Subjektivierung der Arbeit - Subjektivierung der Arbeitswissenschaften. Was folgt aus dem Epochenbruch?
In den westlichen Arbeitsgesellschaften kommt ein tiefgreifender Umbruch zum Abschluss, der vor allem durch Prozesse der Flexibilisierung, Entgrenzung und Subjektivierung der Erwerbsarbeit gekennzeichnet ist. Dieser Bruch hat weitreichende Konsequenzen auch für die arbeitsbezogenen Wissenschaften. Herkömmliche Standards, Verfahren und Erkenntnisse der Arbeitsforschung stehen zur Disposition, vor allem die zentralen Orientierungen an den Arbeitsaufgaben und den darauf bezogenen organisatorisch - qualifikatorischen Gestaltungskonzepten gerät in die Krise. Die zunehmende Unübersichtlichkeit in der Arbeitswelt führt zu einer Subjektivierung auch der Arbeitsforschung, die die Arbeitsverhältnisse zunehmend aus dem Blick geraten lässt. Neue subjektzentrierte Vorgehensweisen und Disziplinen mit z.T. problematischen Auswirkungen auf die Arbeitenden drängen nach vorn. Dies wird am Beispiel der betriebsorientierten Arbeitsforschung zur menschengerechten Arbeitsgestaltung und Prävention nachgezeichnet. Es werden Vorschläge zur Diskussion gestellt (das Ganze der Arbeit, die typischen Arbeitssituationen, die Grenzkonflikte der Arbeit), über die die alte Interdisziplinarität der Arbeitsforschung weiter aufrechterhalten bzw. auch erweitert werden könnte.
Elisabeth Schilling:
Projekt „Glückliches Leben“. Zum Zusammenhang von Zeitnutzung und Glück bei berufstätigen Eltern
Eine Befragung berufstätiger Eltern geht der Frage nach, welche Art von Zeitnutzung das Wohlbefinden dieser Gruppe fördert. Die Ergebnisse belegen, dass eine strategische Zeitnutzung sowie die Möglichkeit, Zeit zu planen, die Lebensqualität erhöht. Die Notwendigkeit dagegen, auf Erwerbsarbeit oder Familie zu verzichten, beeinflusst das Wohlbefinden negativ. Auch flexible Anpassung eigener Zeit an die äußeren Bedingungen übt einen negativen Einfluß aus.
Rezensionen
Andreas Drinkuth
Die Subjekte der Subjektivierung. Handlungslogiken bei entgrenzter Arbeit und ihre lokale Ordnung
besprochen von Helmut Martens, Dortmund
Wolfgang Hien, Rolf Spalek, Ralph Joussen, Gudrun Funk,Renate von Schilling, Uwe Helmert
Ein neuer Anfang wars am Ende nicht. Zehn Jahre Vulkan-Pleite: Was ist aus den Menschen geworden?
besprochen von Gerd Peter, Dortmund 69
Karl U. Lippoth, Wolfgang Schultze, Manfred Schweres (Hg.)
Arbeitswissenschaft als Weiterbildung
besprochen von Ulrich Winterfeld, Dresden
Gerd Peter (Hg.)
Grenzkonflikte der Arbeit. Die Herausbildung einer neuen europäischen Arbeitspolitik
besprochen von Elke Viebrock, Edinburgh
Klaus Kraemer :
Prekarität – was ist das?
In den Sozialwissenschaften wird vermehrt auf den Begriff der „Prekarität“ zurückgegriffen, um die Transformation der Arbeitsgesellschaft und ihre Auswirkungen auf die sozialen Arrangements von Erwerbsarbeit zu analysieren. In diesem Beitrag wird dafür plädiert, Prekarisierungsprozesse nicht nur auf der Ebene der Erwerbsarbeit zu untersuchen. Vielmehr wird ein mehrdimensionales Konzept skizziert, das ausgehend von der besonderen Bedeutung von Erwerbsarbeit weitere Dimensionen der Lebenslage einbezieht, um differenziertere Aussagen über Prekarisierung in Gegenwartsgesellschaften machen zu können. Im Einzelnen wird zwischen den Untersuchungsdimensionen Erwerbsstelle, Erwerbsverlauf und Lebenslage unterschieden. Hierbei wird gezeigt, dass Aussagen über das prekäre Potenzial einer Erwerbsarbeit nur bedingt Rückschlüsse auf die Prekarität der Erwerbs- und Lebenslage zulassen. Zugleich wird vorgeschlagen, systematischer zwischen Prekarität im Sinne einer negativen statistischen Abweichung von den sozialen Normalstadards eines geschützten Arbeitsverhältnisses und einer subjektiv wahrgenommenen, „gefühlten“ Prekarität zu unterscheiden. Diese Unterscheidung bietet die Möglichkeit, die Auswirkungen von Prekarisierung nicht nur an den Rändern der Arbeitsgesellschaft zu untersuchen, sondern auch in ihrer Mitte.
Ralf Lindner, Michael Friedewald:
Ubiquitäres Computing und seine Auswirkungen auf die Inustriearbeit
Ubiquitäres Computing (UbiComp) bezeichnet eine alles durchdringende Informatisierung und Vernetzung u.a. auch im Arbeitsleben. Es fügt sich in der industriellen Fertigung in die seit langem zu beobachtenden Trends der Rationalisierung und Flexibilisierung ein, beschleunigen diese und verstärken zum Teil deren Auswirkungen auf innerbetriebliche Prozesse. Mit Blick auf Tätigkeitsprofile und Qualifikationsanforderungen sind zwei gegenläufigen Folgen von UbiComp zu erwarten: Einerseits werden bestimmte Tätigkeiten in der industriellen Fertigung eine qualitative Anreicherung und Erweiterung erfahren, während andererseits erweiterte Möglichkeiten zur Automatisierung von einfachen Kontroll-, Überwachungs- und anderen manuellen Tätigkeiten bestehen. Für die Mehrzahl der verbleibenden Beschäftigten in der industriellen Fertigung ist zu vermuten, dass sich die Trends zur Arbeitsverdichtung, zur Vergrößerung der Arbeitszeitkorridore und des Verlustes an Zeitsouveränität im Zuge der Einführung von UbiComp weiter fortseten werden.
Rainer Lichte:
Arbeit in der europäischen Stahlindustrie unter Veränderungsdruck
Die Stahlindustrie in Europa agierte „schon immer“ international, aber erst seit gut einem Jahrzehnt wandelt sie sich von einem ehemals staatlich gestützten Industriezweig zu einer „normalen“ globalisierten Branche. Der Autor fragt u.a.: Wie entwickeln sich unter diesen veränderten Rahmenbedingungen die Arbeitsbedingungen und die Anforderungen an die Beschäftigten in den nächsten Jahren? Welche Rolle spielen nationale Formen industrieller Beziehungen und Produktionsmodelle – wie z.B. die deutsche Montan-Mitbestimmung – im Benchmarking der Standorte in internatinalen Stahlkonzernen?
Christian Stumpf:
Bestimmungsgründe und Auswirkungen familienfreundlicher Maßnahmen
In einer schriftlichen Befragung von knapp 500 Unternehmen der Metropolregion Rhein-Neckar wurde das Angebot familienfreundlicher Maßnahmen und die Sicht der Unternehmen auf das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhoben. Durch eine differenzierte Analyse familienfreundlicher Maßnahmen lassen sich spezifische Einflussfaktoren für die Bereiche Arbeitszeitmodelle, Elternförderung sowie einfacher und aufwendiger Kinderbetreuung herausarbeiten. Neben betrieblichen Merkmalen erweisen sich insbesondere Einstellungen der Personalverantwortlichen bzw. Geschäftsführer/-innen zur Vereinbarkeit und deren Informationsstand als relevante Einflussgrößen auf das Angebot familienfreundlicher Maßnahmen.
Kurzbeitrag
Barbara Bierfreund:
Entlernen und Neulernen: Herausforderungen bei der Entwicklung einer neuen Generation von Industrierobotern für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)
Rezensionen
Jörg Flecker, Sabine Kirschenhofer:
Die populistische Lücke. Umbrüche in der Arbeitswelt und Aufstieg des Rechtspopulismus am Beispiel Österreichs
besprochen von Ulrich Heisig, Bremen
Annegret Bolte, Stephanie Porschen :
Die Organisation des Informellen. Modelle zur Organisatin von Kooperation und Arbeitsalltag
besprochen von Birgit Geissler, Bremen
Juri Hälker, Claudius Vellay :
Union Renewal – Gewerkschaften in Veränderung
besprochen von Jürgen Klippert, Hagen
Jens Aderhold, Matthias Meyer, Ralf Wetzel (Hg.) :
Modernes Netzwerkmanagement. Anforderungen – Methoden – Anwendungsfelder
besprochen von Josef Reindl, Saarbrücken
Abhandlungen
Annegret Bolte, Judith Neumer:
Entscheidungsfindung in Meetings: Beschäftigte zwischen Hierarchie und Selbstorganisation
Diskursive Koordinierung findet in dezentralisierten Arbeitsstrukturen zumeist in „Meetings“ statt. Insbesondere mit dem Anspruch der Entscheidungsfindung ist das Meeting jedoch strukturell überfordert. Der Artikel zeigt auf, wie in dem Gefüge von Informationsüberflutung, unklaren Entscheidungskompetenzen, Entscheidungsangst sowie Absicherungs- und Rechtfertigungskultur das Meeting vom Entscheidungsforum zum Ort der immerwährenden Problemgenese mutiert: Der Wunsch nach perfekt rationalen Entscheidungen führt zu Handlungsblockaden. Die Autorinnen plädieren stattdessen für eine effizientere Entscheidungsfindung durch die Nutzung informeller Kooperation.
Jürgen Deller, Leena Maxin:
„Silver Workers“ – Eine explorative Studie zu aktiven Rentnern in Deutschland
In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland allmählich ein Arbeitsmarkt für Personen entwickelt, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, deren Kompetenzen jedoch weiter nachgefragt werden. Die vorgestellte explorative Studie beschäftigt sich mit dieser „Silver Workers“ genannten Gruppe, ihrer Lebenswelt, den Beweggründen sowie Erwartungen zu Rahmenbedingungen einer Tätigkeit im Ruhestand. Aus den Ergebnissen einer quantitativen und qualitativen Befragung erfolgen erste Ableitungen für die Gestaltung eines Arbeitssystems, das die Erwartungen der „Silver Workers“ berücksichtigt. Konsequenzen für die traditionellen Belegschaften werden abgeleitet und weiterer Forschungsbedarf wird beschrieben. Es wird die Frage diskutiert, inwieweit Arbeit im Ruhestand einen Beitrag zur Altersversorgung („Vierte Säule“) leisten kann.
Holger Schütz:
Modellvielfalt in der Arbeitsvermittlung? Ein typologischer Ansatz zur Untersuchung von Politikstrategien
Der Aufsatz widmet sich dem wenig erforschten Thema von Politikstrategien der Arbeitsvermittlung. Auf Basis einer Bestandsaufnahme der wichtigsten Vermittlungsstrategien wird zunächst eine Typologie von Vermittlungsansätzen entwickelt. Anschließend wird mit dem Ansatz der Fuzzy-Set-Idealtypen-Analyse für zwei Zeitpunkte vor und nach der jüngsten Reform der Arbeitsverwaltung überprüft, welche Vermittlungsstrategien empirisch auftreten und in welchem Maße diese den Modelltypen entsprechen. Die empirische Analyse demonstriert, dass sich die Vielfalt der Vermittlungsstrategien der deutschen Arbeitsagenturen im Zeitverlauf reduziert hat. Die Vermittlungsstrategien der sanktionierenden Aktivierung und der Arbeitgeberorientierung haben dabei an Gewicht zugenommen gegenüber dem Ansatz der fördernden Aktivierung..
Gisa Junghanns, Eberhard Pech:
Flexibilisierung durch Telearbeit – ein Beitrag zur Verbesserung der Work-Life-Balance?
Zunehmende Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufgrund veränderter Belastungen in der beruflichen Arbeit lassen das Thema Work-Life-Balance eine vermehrte Aufmerksamkeit erfahren. Ziel dieses Beitrages ist es, die Auswirkungen von Telearbeit auf die Work-Life-Balance näher zu beleuchten und dabei Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch unter gesundheitlichen Aspekten zu berücksichtigen. Hierbei wird auch auf die Genderfrage eingegangen. Ausgewählte Ergebnisse einer explorativ ausgerichteten Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin werfen vor allem ein insgesamt positives Licht auf die alternierende Telearbeit, die vielfach von Frauen in Teilzeit ausgeführt wird. Angemessene Arbeitsanforderungen, hohe Freiheitsgrade in der Arbeit und Unterstützung durch die Kollegen kennzeichnen diese Arbeitssituation in einem höheren Maße, als es bei den anderen Formen der Telearbeit der Fall ist.
Katrin Kraus, Sabine Raeder:
Flexibilisierung von Beschäftigung – Funktion und Wandel der Vermittlungsformen „Beruf“ und „psychologischer Vertrag“
Der Beitrag geht von der Flexibilisierung von Beschäftigung aus und analysiert, wie sich diese zwischen der strukturellen und der individuellen Ebene vermittelt. Im Zentrum stehen dabei Funktion und Wandel von Vermittlungsformen auf der intermediären Ebene. Konkret werden aktuelle Veränderungen im Erwerbsschema „Beruf“ und im psychologischen Vertrag untersucht. Diese sind inhaltlich insbesondere durch eine Verschiebung von Verantwortung für Beschäftigung auf die Individuen bestimmt. Der Erkenntnisgewinn dieser Fokussierung liegt darin, dass die Vermittlung von Flexibilisierung zwischen Makro- und Mikroebene als Transformationsprozess analysiert, die konzeptionell ausgerichtete Forschung zum Erwerbsschema „Beruf“ konkretisiert und die auf betriebliche Prozesse bezogene Forschung zum psychologischen Vertrag in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext eingebettet werden kann.
Tagungsberichte
Per Theman
Decent Work (Menschenwürdige Arbeit) – eine Herausforderung in Zeiten der Globalisierung
Katharina Bluhm
Interessen in der globalisierten Arbeitswelt
Rezensionen
Richard Sennett
Handwerk
besprochen von Mundo Yang, Berlin
Hans-Jürgen Andreß, Anne Krüger
Ausstiege aus dem unteren Einkommensbereich. Institutionelle Hilfeangebote, individuelle Aktivitäten und soziale Netzwerke
besprochen von Ditmar Brock/Dietmar Mälzer, Chemnitz
Walter Schöni
Handbuch Bildungscontolling. Steuerung von Bildungsprozessen in Unternehmen und Bildungsinstitutionen
besprochen von Hans-Werner Franz, Dortmund
Heiner Minssen
Arbeits- und Industriesoziologie. Eine Einführung
besprochen von Wolfgang Littek, Bremen
Abhandlungen
Gerhard Bosch:
Zur Zukunftsfähigkeit des deutschen Berufsbildungssystems
Wegen der weiterhin hohen Attraktivität beruflicher Bildung expandierte die Hochschulausbildung in Deutschland im Unterschied zu anderen OECD-Ländern nur gering. Die offene Frage ist, ob der deutsche Sonderweg Bestand haben wird. Sinnvolle Aussagen auf diese Frage sind nur unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Gesamtarchitektur des Bildungssystems und seiner Beziehungen zum Arbeitsmarkt möglich. In diesem Artikel werden die Schnittstellen der dualen Berufsausbildung zur Schule, zu konkurrierenden Parallelstrukturen der schulischen Ausbildung, zur Weiterbildung und zur Hochschulbildung untersucht. Es wird gezeigt, dass die Berufsausbildung modernisiert und zukunftsfähig geworden ist. Sie wird allerdings durch die Herausbildung einer neuen „Unterklasse“ im nichtreformierten Schulsystem sowie durch unzureichende Verknüpfung mit Weiter- und Hochschulausbildung gefährdet. Es werden Reformschritte aufgezeigt, die für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zentrale duale Berufsausbildung zu erhalten und zu verbessern.
Karin Gottschall:
Soziale Dienstleistungen zwischen Informalisierung und Professionalisierung – oder: der schwierige Abschied vom deutschen Erbe sozialpolitischer Regulierung
Steigende Ansprüche an Umfang und Qualität öffentlich erbrachter sozialer Dienstleistungen stellen für Sozialstaats- und Arbeitsmarktakteure in Deutschland eine besondere Herausforderung dar. Denn Ausbildung und Beschäftigung in den sozialen Dienstleistungen sind historisch als Frauenarbeit geprägt und weichen von den Standards von Normalarbeit ab. Der Beitrag untersucht ausgehend von der eher sozial- als arbeitspolitischen Regulation sozialer Dienstleistungen, wie sich Ausbildung und Beschäftigung in den Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen entwickelt haben und inwieweit jüngere Reformen und Re-Regulierungen zu einer nachhaltigen Berufsförmigkeit beitragen.
Hilary Steedman, Karin Wagner:
Nationale Ausbildungssysteme und ihr Einfluss auf das betriebliche Ausbildungs- und Rekrutierungsverhalten von Unternehmen – Ein deutsch-britischer Vergleich im IT-Bereich
Nationale Rahmenbedingungen, zu denen das Ausbildungssystem zu rechnen ist, wirken sich auf die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Wirtschaft aus. Die Unternehmen beider Länder sind im IT-Bereich mit sehr ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Diese Studie untersucht, wie deutsche und britische Unternehmen auf das unterschiedliche Angebot von Fachkräften aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IT) reagieren und welche Mechanismen sie bei der Rekrutierung sowie der Aus- und Weiterbildung von IT-Fachkräften einsetzen. Im Rahmen der Studie wurden 90 Unternehmen in Deutschland und Großbritannien aus vier Branchen des Industrie und des Dienstleistungssektors befragt. Ziel dieser Studie ist einerseits die Analyse und Bewertung der Strategien zur Steuerung des Angebotes an IT-Fachleuten in Deutschland und Großbritannien. Andererseits betrachtet sie den Einfluss nationaler Strategien auf die Nachfrage von Unternehmen hinsichtlich der Ausbildung und Rekrutierung von entsprechenden Fachkräften.
Gertrud Kühnlein:
Dualisierung der Benachteiligtenförderung? Strategien zur (Wieder-)Gewinnung der Betriebe als Lernort und bildungspolitische Konsequenzen
Angesichts der anhaltenden Berufseinmündungsprobleme von Jugendlichen ist die Gestaltung von beruflichen Übergängen, im Sinne einer Optimierung der Einstiegswege in Ausbildung und Arbeit, in das Zentrum bildungs- und sozialpolitischer Aufmerksamkeit gerückt. Am Beispiel des neuen arbeitsmarktpolitischen Instruments Einstiegsqualifizierung (EQ) wird unter Bezug auf aktuelle empirische Forschungsergebnisse aufgezeigt, dass zentrale mit diesem Instrument anvisierte Ziele wie: Öffnung des Lernorts Betrieb für (sozial) benachteiligte Jugendliche, Verkürzung der Warteschleifen, eine einheitliche Gestaltung der Praktika durch Qualifizierungsbausteine und die anteilige Anrechnung des Praktikums auf eine anschließende Ausbildung, nicht erreicht werden. Stattdessen erfolgt durch die Arbeitsverwaltung wie auch durch die Praktikumsbetriebe eine Selektion auf einem mittleren Qualifikationsniveau („Bestenauslese“), die die Chancen der eigentlichen Zielgruppe auf eine lernförderliche betriebliche Integration und den Zugang ur Berufsausbildung eher noch weiter verringert.
Stefanie Stolz, Philipp Gononr:
Das "Übergangsregime" in der Schweiz – Von der Sekundarstufe I in die Berufsbildung
Die Übergänge von Jugendlichen zwischen Schule und Arbeitswelt gestalten sich zunehmend prekärer. Der vorliegende Beitrag fokussiert dabei insbesondere auf den, für den individuellen Bildungsverlauf entscheidenden, Übergang von Sekundarstufe I in Sekundarstufe II. Europaweit haben sich verschiedene Ausbildungsregimes herausgebildet, welche diese Übergänge von Jugendlichen steuern (1). Die Perspektive auf die Schweiz, als dual organisiertes Berufsbildungssystem (2), legt dar, dass lineare Bildungs- und Erwerbsverläufe auch in diesem Land keine Selbstverständlichkeit mehr sind, insbesondere für schulleistungsschwächere und benachteiligte Jugendliche (3). Ein Vergleich der verschiedenen Übergangsregimes (4) zeigt, dass sich, trotz der tiefverankerten Strukturen der Bildungs- und Sozialsysteme, konvergente Neigungen nachweisen lassen (5).
Regina Beuthel:
"Durch Lässigkeit" von beruflicher zu akademischer Bildung – die Herausforderungen der Anrechnung vorgängig erworbener Lernleistungen im Kontext der Qualitätssicherung angestrebter akademischer Qualifikationen
Christina Meyn
Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) – Ein gesellschaftliches Zukunftsmodell
Barbara Sieben
Management und Emotionen. Analyse einer ambivalenten Verknüpfung
besprochen von Daniela Rastetter, Hamburg
Kira Marrs
Leidenschaft und Lohnarbeit. Ein arbeitssoziologischer Blick hinter die Kulissen von Film und Fernsehen
besprochen von Eva Senghaas-Knobloch, Bremen
Uwe Lenhardt, Rolf Rosenbrock
Wegen Umbau geschlossen? Auswirkungen betrieblicher Reorganisation auf den Gesundheitsschutz
besprochen von Hans Martin, Kassel